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Ostergeschichten







Wie Heinrich von Eichenfels zur Erkenntnis Gottes kam
     ( Christoph von Schmid)


     


13. Kapitel:

"Freude eines edlen Vaters"


Indes kam der Graf an, ein großer, ansehnlicher Mann, von sehr edler Gesichtsbildung und einnehmendem, sanftem Betragen. Er nahm den alten Vater Menrad sogleich mit sich auf sein Zimmer, hieß ihn niedersitzen, befahl von seinem eigenen Weine zu bringen, schenkte dem edlen Greise das erste Glas ein, trank auf seine Gesundheit, und hieß ihn nach altdeutscher Sitte mit dem Glase anstoßen.

,,Seid mir von Herzen willkommen, ehrwürdiger Vater!"sagte der Graf. ,,Nach einem solchen Ritte und bei solchem stürmischen Wetter unter Dach und in eine warme Stube zu kommen, ist angenehm. Aber der Anblick Eures frommen, treuherzigen Gesichtes ist mir noch lieber und thut mir recht im Herzen wohl – und ich muß Euch nur sogleich mein ganzes Herz öffnen. Alle meine Leute sind, wie Ihr seht, fröhlich und guter Dinge, weil es nach vielen blutigen Auftritten wieder der Heimat zugeht. Allein ich, ihr Anführer –wie es denn in dieser Welt oft so geht –bin wohl der einzige Traurige unter ihnen. Ich fürchte, es steht bei mir zu Hause nicht alles so recht, wie es sein soll! Meine Gemahlin ist zwar gesund und wohl. Wegen meines einzigen Sohnes aber bin ich sehr bekümmert. Meine Gemahlin schrieb mir schon lange Zeit her nichts Bestimmtes von ihm, und erst in ihrem letzten Schreiben meldete sie mir, ich werde ihn in dieser Welt wohl nicht mehr sehen. –Ihr seid mit vielen Rittern bekannt, Vater Menrad; denn Ihr waret vor Zeiten auch ein tapferer Kriegsmann. Ihr seid eben auf der Reise, und vielleicht weit herum gekommen. Wißt Ihr nicht, wie es in Eichenfels steht? Wenn Ihr mir keine gute Auskunft geben könnet, so gebt mir wenigstens Trost.«

Vater Menrad antwortete mit dem fröhlichsten Gesichte von der Welt: ,,Da kann ich Euch die allerbesten Nachrichten geben. Euer Sohn ist gesund und der liebenswürdigste Knabe, den ich in meinem Leben gesehen habe."– ,,Ihr kennt ihn?"rief der Graf sehr begierig. ,,Sehr wohl!"sagte Menrad. ,,Indes hat sich mit dem Kinde, während Ihr im Felde waret, allerlei zugetragen."Menrad erzählte dem erstaunten Grafen alles, was er von der Geschichte des Kindes wußte. Er zeigte ihm, zur Bestätigung des Erzählten, das schöne Bild der Gräfin. ,,Ja, das ist sie,"sagte der Graf, ,,nach dem Leben getroffen. Ob sie wohl jetzt noch so blühend aussieht? Ach, die arme Frau hat vieles, vieles ausgestanden! – Aber wo ist der Knabe denn jetzt?"– ,,Hier im Hause!"sagte Menrad. ,,Hier im Hause!"rief der Graf, und fuhr auf, daß der Stuhl umstürzte. ,,Warum hast du mir diese denn nicht sogleich gesagt, alter Vater? Auf der Stelle führe mich zu ihm!«

Menrad nahm das Kerzenlicht vom Tische, und der Graf folgte ihm in die Kammer an das Bett seines Sohnes. Der Kleine schlief so sanft, wie die Unschuld, und sah so schön aus, wie ein Engel. Der Graf konnte ihn an dem Glanze des Lichtes nicht genug betrachten. ,,Da trifft es wohl recht zu,"sagte Menrad, ,,Gott gibt seinen Kindern ihr Glück im Schlaf."Dem Grafen aber traten die Tränen in die Augen. ,,Mein Gott«, sagte er, ,,als ich in den Krieg zog, war er ein weinendes Kindlein, und jetzt ist er ein holder Knabe. Meine gute, liebevolle Gemahlin! Jetzt erst verstehe ich deine Briefe, und danke dir für die zarte Schonung, mit der du mir einen unermeßlichen Jammer erspartest. Heinrich, liebster Heinrich,"rief er hierauf und nahm den Knaben bei der Hand, und küßte ihn sanft, ,,wache auf, sieh, dein Vater ist da!"Der kleine Heinrich rieb sich die Augen, starrte seinen Vater an, und konnte nicht sogleich aus dem Schlafe kommen. ,,Du bist es?"sagte er endlich voll Freude und mit dem freundlichsten Lächeln. ,,Grüß dich Gott, liebster Vater! Ist meine Mutter auch bei dir?"Der Graf nahm den Kleinen in seine Arme, und weinte die süßesten Tränen. ,,Gottes heilige Vorsicht hat dich wunderbar gerettet, liebes Kind,"sprach er. ,,Ich kann Gott nicht genug danken, daß er dich mir wieder schenkte."– ,,Ich auch nicht,"sagte Heinrich. ,,Der gute Gott; er ist doch gar so liebreich und freundlich gegen uns, daß er uns solche große Freuden macht."Der Graf war höchst erfreut und hatte, als der Knabe erst vollends wach und munter geworden, über dessen natürliche lebhafte Antworten und Fragen ein Entzücken, das gar nicht zu beschreiben ist. ,,Menrad,"sagte er, ,,wie vielen Dank bin ich Euch schuldig! Meine ganze Grafschaft wäre zu wenig, Euch für den Unterricht, den Ihr dem Knaben gegeben habt, zu belohnen.«

Margareta war indes auch in die Kammer gekommen und stand schüchtern in der Ferne. Der Graf grüßte sie freundlich, bot ihr die Hand, und sprach ihr Mut ein. ,,Aber die Räuber,"fuhr er mit großem Unwillen fort, ,,sollen mir ihre MisseTaten schwer büßen!"Er gab noch in der Nacht den Beherztesten seiner Leute Befehle und Vollmachten, sie in ihren Schlupfwinkeln aufzusuchen, und gefangen nach Eichenfels zu bringen. Dann sprach er wieder mit seinem Sohne, und wäre die ganze Nacht bei ihm aufgeblieben, wenn Menrad ihn nicht erinnert hätte, daß sie alle des Schlafes bedürften, um morgen bei Zeit, und frisch und fröhlich in Eichenfels einzutreffen.




14. Kapitel:

"Die getröstete Mutter"


Die gute, edle Gräfin lebte indes auf ihrem Schlosse Eichenfels voll Traurigkeit und Bekümmernis. Sie hatte die Friedensbotschaft sogleich vernommen, und hoffte nun ihren Gemahl bald zu sehen. Sie brach aber darüber in Tränen aus. ,,Ach, du mein Gott,"sprach sie, ,,ich bin doch recht unglücklich! Was alle Welt mit Freuden erfüllt, macht mir unaussprechlichen Jammer. Jede arme Söldnersfrau freut sich auf die Zurückkunft ihres Mannes – und ich kann an die Ankunft meines Gemahls nicht ohne Schrecken denken. Ach, welch ein Jammer wartet auf ihn: wie werde ich ihm die schreckliche Geschichte von dem Verluste des Kindes beibringen! Für uns beide schlägt in dieser Welt wohl keine freudige Stunde mehr!«

Es war ihr immer ganz unbeschreiblich bange. Sie fand nirgends Rast und Ruhe. Sie ging bald von einem Zimmer in das andere, bald in die Schloßkapelle, bald in den Garten. Wo sie ging und stand, betete sie in ihrem Herzen zu Gott. Im Gebete, in dem Gedanken, daß Gott alle Schicksale der Menschen lenke, und die verworrensten Begebenheiten zu einem glücklichen Ausgang leiten könne, fand sie allein Beruhigung.

,,Du guter Gott,"sagte sie, da sie sich eben wieder in die dunkelste Laube des Gartens zurückgezogen und lange schmerzlich geweint hatte, ,,Erbarme dich doch meiner, erbarme dich meines Gemahls, mache du dieser meiner schrecklichen Qual ein Ende; denn du kannst es allein! O laß unser Wiedersehen in Freude sein. Du hast aus den weisesten Absichten Vater und Mutter und Kind von einander getrennt und weit in der Welt zerstreut; schenke uns unser liebes Kind wieder und führe uns alle drei wieder zusammen! Du hast schon unzählige Tränen getrocknet; trockne auch die meinigen! Du bist ja der Allbarmherzige, und Leid in Freude zu verwandeln, ist dein liebstes Geschäft. O Vater, Vater, liebster Vater! so sündig ich bin, so bin ich doch auch deine Tochter und darf dich Vater nennen, und nenne dich auf das Geheiß deines Sohnes getrost Vater. Du liebst mich gewiß mehr, als ich mein Kind! Höre, höre mich, und verstoße dein Kind, deine Tochter nicht, die keine andere Zuflucht hat, als dich.«

Indem sie so betete, hörte sie einen Fußtritt. Sie blickte auf, und sieh, Margareta, die eben mit der übrigen Gesellschaft angelangt war, kam den langen düstern Bogengang des Gartens herab, gerade auf die Laube zu. Ein Strahl der Hoffnung fiel in das Herz der Gräfin, als sie Margareta erkannte, und das heitere Gesicht des Mädchens erblickte; es war ihr, als sähe sie einen Engel des Himmels. ,,Beste, gnädige Gräfin,"fing Margareta an, ,,ich bringe Euch die fröhlichsten Nachrichten von Eurem lieben Heinrich. Er lebt – und bald werdet Ihr ihn wieder sehen."Margareta hatte kaum angefangen zu erzählen, so trat Vater Menrad in die Laube, um die Gräfin auf die Ankunft ihres Sohnes und Gemahls vorzubereiten. Der kluge Mann wußte alles sehr weislich einzulenken. Die Gräfin war nun voll freudiger Hoffnung, ihren Gemahl und ihren Sohn in einigen Tagen zu sehen, und führte Vater Menrad in das Zimmer, das sie einst mit Heinrich bewohnt hatte.

Als sie nun die Türe öffnete, sieh, da eilte ihr Gemahl mit ihrem Sohne Heinrich auf dem Arme ihr entgegen. Sie konnte nichts als die Worte hervorbringen: ,,O, mein Gemahl! O, mein Kind!"und sank dem Grafen in die Arme. Sie weinte lange sprachlos, und benetzte bald das Angesicht ihres Kindes, bald das ihres Gemahls mit den süßesten Tränen. ,,Nun will ich gern sterben,"sagte sie endlich, ,,da ich dies noch erlebt habe! Wie wunderbar weiß doch Gott alles zu lenken. Ich zitterte, dir, liebster Gemahl, ohne unsern lieben Heinrich entgegen kommen zu müssen, und nun bringst du im ersten Augenblick des Wiedersehens ihn mir auf deinen Armen entgegen! – O Gott, in meinem ganzen Leben kann ich dir nicht genug danken, daß du diese schreckliche Geschichte so freudig geendet hast. Mein Leben lang will ich in keinem Leiden mehr verzagen. Du weißt am Ende alles recht zu machen. – Mein Heinrich, was für ein lieber Knabe bist du indes geworden! O mein Gemahl, welch' ein seliges Wiedersehen hat Gott uns allen dreien bereitet! Er hat uns alle drei von einander getrennt; er hat uns wunderbar wieder zusammengeführt. Ihm sei Anbetung, Lob und Dank!"Alle drei weinten Tränen der Freude und des Dankes gegen Gott; Margareta weinte mit, und auch Vater Menrad konnte, innigst bewegt, sich der Tränen nicht entalten.

Nachdem sich die erste ungestüme Freude etwas gelegt hatte, fing Heinrich an, der Mutter seine Geschichte zu erzählen. Er tat es mit großer Lebhaftigkeit und die Mutter mußte bald weinen und bald lächeln. Besonders lebendig schilderte er den Augenblick, wie es ihm war, da er durch den Felsenriß das erste Mal in die Welt eintrat. Mit noch mehr Freude und Rührung sprach er aber von jenem unvergeßlichen Augenblicke, da Vater Menrad ihm das erste Mal von Gott sagte, und es standen ihm, während er redete, immer die hellen Tränen in den Augen.

,,Wahrhaftig,"sprach der Graf, ,,ich wünschte bald, meine Kindheit auch in einer solchen Höhle zugebracht zu haben. Wir sind des Anblicks der herrlichen Werke Gottes zu gewohnt. – Daß wir Gottes Werke auch so, wie Heinrich, auf einmal und nachdem wir bereits zur Vernunft gekommen, erblicken könnten, welchen überwältigenden Eindruck würden sie auf uns machen! Du guter Gott, wie würden wir über deine Macht erstaunen, deine Weisheit bewundern, uns deiner Güte freuen! Wie würden wir es bei dem Anblicke deines schönen Himmels und deiner wundervollen Erde fühlen: Was so zu Herzen geht, muß aus irgend einem liebevollen Herzen kommen!«

Die Gräfin sagte: ,,Wie es dem guten Heinrich war, als er aus seinem unterirdischen Aufentalte das erste Mal auf Gottes schöne Erde herauf kam, so wird es uns einmal sein, wenn wir aus diesem Erdenleben in den Himmel versetzt werden. Denn ich denke, wie Heinrichs Spielzeuge – jene Blumen und Lämmer und Bäume, an denen er in seiner Höhle doch manche Freude hatte – nur sehr unvollkommene Abbildungen dieser herrlichen Werke Gottes selbst waren, so mögen wohl alle sichtbaren Schönheiten und alle Freuden dieser Welt kaum ein Schatten gegen die Schönheiten und Freuden des Himmels sein. Nur die Freude auf Erden, unsere Geliebten nach langer schmerzlichen Trennung wiederzusehen, mag uns ein wahres Vorgefühl geben von jener Freude des Himmels, unsere verstorbenen Freunde dort wiederzusehen; denn wirklich fühle ich mich in dieser Stunde des Wiedersehens so selig, als wäre ich bereits in dem Himmel!«

Der ehrwürdige Vater Menrad sprach: ,,Ich finde die Empfindungen des edlen Herrn Grafen und der frommen Frau Gräfin schön und erbauend. Allein die eigentliche Lehre, die uns in Heinrichs Geschichte vor Augen gelegt wird, bleibt diese: Die Weisheit, Güte und Freundlichkeit Gottes leuchten aus Himmel und Erde so klar und deutlich hervor, daß sogar ein Kind die Spuren davon wahrnehmen und den Schöpfer in den Geschöpfen erkennen kann.«




15. Kapitel:

"Das Gute belohnt, das Böse bestraft"


Nach einigen Tagen kamen die Leute des Grafen mit der Räuberbande, die sie glücklich in der Höhle beisammen gefunden hatten, in Eichenfels an. Die Räuber waren alle zu zwei und zwei mit Ketten zusammen geschlossen. Ein Wagen mit Kisten, worin sich lauter geraubte Kostbarkeiten befanden, folgte dem Zuge, und zu oberst auf dem Wagen saß die alte Zigeunerin. Die Räuber hatten den entronnenen Knaben gar nicht aufgesucht; denn da sie die eiserne Türe fest verschlossen fanden, und der Felsenriß, durch den er entkam, ihnen unbekannt war, weil ein höchst baufälliger, gefährlicher Gang, in den sie sich nie hinein gewagt hätten, dahin führte, so glaubten sie, Heinrich sei entweder in einen der unermeßlich tiefen Abgründe des alten Bergwerkes gefallen, oder von einem eingestürzten Gange lebendig begraben worden.

Die Räuber waren daher sehr erstaunt, als sie bei ihrem Einzige in Eichenfels den jungen Grafen neben seinem Vater unter dem Schloßthore stehen sahen, und sie konnten gar nicht begreifen, wie er durch die eiserne Türe heraus gekommen. ,,Wie glaubten,"brummte der Hauptmann voll Verdruß, ,,kein Mensch in der Welt sei uns an List gewachsen, und nun muß uns sogar ein Kind überlisten, und uns in Ketten und Bande bringen. Das ist sehr ärgerlich. Nun sehe ich es aber doch ein, was ich niemals glauben wollte: Wenn der Dieb reif ist, so holt ihn ein hinkender Büttel ein."Jener Musikant mit dem Hackbrette, der sich auch unter ihnen befand, sprach bei sich selbst: ,,Wir raubten dieses Kind, damit es uns dereinst zur Rettung dienen möge; allein, nun gereicht gerade dieses Kind uns zum Untergange. Die Leute mögen wohl recht haben, die da sagen: Wer Böses thut, findet am Ende immer, daß er sich verrechnet habe."Wilhelm, der Jüngling, der gegen den kleinen Heinrich immer so freundlich und gefällig gewesen, und kein ganz verdorbenes Gemüt hatte, sagte: ,,Das hat Gott so gefügt, daß der Kleine entkam, und ich freue mich, daß er lebt, obwohl das mein Tod sein wird. Gott zeigt auch hier wieder seine Macht, die Unschuld zu retten und die Schuldigen zu strafen. Nun geht an uns allen in Erfüllung, was einmal mein seliger Vater gesagt und was mir meine Mutter oft wiederholt hat: Wenn sich der Böse auch in den Mittelpunkt der Erde verkriechen könnte, so wüßte ihn Gottes strafende Gerechtigkeit doch zu finden und ihn zur verdienten Strafe zu ziehen.«

Als Heinrich den armen Wilhelm in seinen Ketten unter den Räubern erblickte, ging es ihm sehr zu Herzen, und er bat seinen Vater inständig, den armen Menschen, der ihm so viel Gutes erwiesen habe, doch kein Leid zu thun. Der Graf sagte, er könne für jetzt noch nichts versprechen; er werde ihn aber so gelinde behandeln, als es in seiner Macht stehe. Da sich bei dem Verhöre fand, daß der junge Mensch niemals Blut vergossen, und mehr der Diener der Räuber, als selbst ein Räuber gewesen sei, so wurde er zwar nicht hingerichtet, aber dennoch zum lebenslänglichen Gefängnisse verurteilt. Der Graf milderte aber die Strafe dahin, daß er so lange, bis er hinreichende Beweise von aufrichtiger Besserung gegeben habe, in ein Arbeitshaus geschickt werden solle, dann aber zu den Seinigen zurückkehren dürfe. ,,Sieh,"sagte der Graf zu ihm, als man ihn abführte, ,,wie nichts Böses unbestraft bleibt, so wird alles Gute belohnt. Die Linderung deiner Strafe hast du deiner Freundlichkeit gegen meinen Sohn zu danken. Ja, was du meinem Kinde geTan hast, will ich dir an deiner armen Mutter vergelten. Halte dich gut und mache, daß ich dich bald zu ihr zurück senden könne.«

Die übrigen Räuber bekamen indes alle den blutigen Lohn, den sie durch ihre blutigen Taten verdient hatten. Die Zigeunerin kam auf immer in das Zuchthaus. Das geraubte Gut wurde den Eigentümern, die man noch entdecken konnte, zurückgegeben; das übrige wurde zur Stiftung eines Waisenhauses verwendet. Der Graf gab dazu, aus Dankbarkeit gegen Gott, eine große Summe Geldes und die fromme Gräfin all ihren Schmuck.

Margareta blieb in den Diensten der Gräfin, wie vorher, und hatte nun nach langem Leiden auch wieder frohe Tage. Den Gärtnerjungen Görge hatte man wegen seines Leichtsinnes und seiner Nachlässigkeit längst fortjagen müssen; er hatte sich überdies noch dem Trunke und andern Schlechtigkeiten ergeben, und war in seinen schönsten Jugendjahren bereits an der Auszehrung gestorben. Der Jüngling aus dem Gebirge reiste, von dem Grafen reichlich beschenkt, wieder zu seinen Eltern zurück.

Den guten Vater Menrad hätte der Graf gern für immer auf seinem Schlosse behalten. Er blieb zwar einige Zeit; allein er ließ sich nicht bewegen, seine Einsiedelei ganz mit dem gräflichen Schlosse zu vertauschen. ,,Ich will den Rest meiner Tage vollends Gott widmen,"sagte er, ,,und das glaube ich am besten in der Einsamkeit thun zu können. Ich habe lange genug in der Welt gelebt, und weiß aus Erfahrung, was an ihr ist. Sich auf die bessere Welt vorbereiten, ist das beste, was wir in dieser Welt thun können."Der ehrwürdige Greis segnete bei dem Abschiede, der sehr traurig war, den Grafen, die Gräfin, und den kleinen Heinrich, der sich fast nicht von ihm wollte trennen lassen. Die gräfliche Familie begleitete den guten Mann herab unter das Schloßthor an den Wagen. Er stieg ein, blickte alle noch einmal liebreich an, und sprach noch, bevor der Wagen abfuhr: ,,Lebt wohl und der Friede Gottes sei mit euch. Im Himmel sehen wir uns wieder.«



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