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Ostermärchen







Wie Heinrich von Eichenfels zur Erkenntnis Gottes kam
     ( Christoph von Schmid)


     


3. Kapitel:

"Der größte Jammer einer guten Mutter"

Indem nun alle Leute aus dem Schlosse voll Schrecken und Verwirrung, weinend und jammernd, in dem Zimmer des Kindes beisammen waren; indem Margareta, halb wahnsinnig, scheu und verwildert aus ihren schwarzen Augen blickte, und mit zerrauften Haaren neben dem leeren Bettchen auf dem Boden saß, auf dem die Rosen, die den Wiegenkorb geschmückt hatten, zerstreut und zertreten umher lagen: da ging mit einem Male schnell die Zimmertüre auf – und die Gräfin trat herein.

Die Wunde des Grafen war nicht so gefährlich, als es anfangs geschienen hatte. Sobald er sich außer aller Gefahr befand, hatte die Gräfin, auf Zureden des Grafen und aus eigenem Antriebe ihres mütterlichen Herzens, die Rückreise angetreten, um nur recht bald wieder bei ihrem lieben Kinde zu sein. Sie war nur aus der Kutsche gesprungen, und sogleich auf das Zimmer geeilt, wo sie den kleinen Liebling ihres Herzens zu umarmen hoffte.

Alle im Zimmer erschracken bei dem Anblicke der Gräfin. Margareta Tat einen lauten Schrei. ,,Gott, sie mir und ihr gnädig!"rief sie. Die Gräfin sah die totenblassen Gesichter, die rotgeweinten Augen, Margaretens Verzweiflung, die leere Wiege mit Schrecken. Niemand wollte auf ihre Fragen antworten. Tausend bange Ahnungen, tausend schreckliche Gedanken zuckten gleich Blitzen durch ihre Seele. Sie zitterte für das Leben ihres Kindes. Als sie endlich die Geschichte halb erfuhr und halb erriet – da war es ihr, als brächen Himmel und Erde auf sie herein; sie sank in Ohnmacht und wäre zu Boden gefallen, wenn nicht alle herbeigeeilt wären, sie zu halten.

,,O Gott, o Gott,"rief sie endlich jammernd, als sie wieder zur Besinnung gekommen war, ,,welch ein entsetzliches Leiden hast du mir auferlegt! Ach, mein Kind, mein Kind, mein liebstes Kind! O mein Gemahl, mein teuerster Gemahl, ach, diese Botschaft wird dir tiefere Wunden schlagen, als das Schwert der Feinde! – O du lieber, lieber, guter kleiner Heinrich, wo bist du wohl jetzt? In welche Hände bist du gefallen? Wenn du von Räubern verführt werden und ohne Unterricht, ohne gute Sitten aufwachsen solltest – wie schrecklich wäre das? Ich kann nicht einmal daran denken! Ach, lieber weinte ich an deinem kleinen Grabe! Dann wärest du ein schöner Engel an Gottes Throne und ich hätte den Trost, dich dort einstens wieder zu sehen! Aber jetzt fehlt mir auch dieser einzige, dieser süßeste Trost! Ach, was kann, was wird unter solchen Menschen aus dir werden?«

,,O Gott,"rief sie dann wieder, und fiel auf die Kniee nieder, und blickte mit gerungenen Händen weinend zum Himmel. ,,O guter Gott, du einziger Trost in allen Nöten! Mein Kind ist zwar meinen Armen entrissen, aber deiner Hand kann es nicht entzogen werden. Ich weiß nicht, in welchen finstern Wäldern, in welcher Räuberhöhle es sich befindet; aber dein Auge sieht es, wo es auch ist. Ich kann ihm nichts Gutes und Liebes mehr erweisen, aber du und nur du allein kannst es erhalten. Du hörest ja das Schreien der jungen Raben; o höre auch das Flehen dieses Kindes, das gewiß weint und wimmert und sich nach seiner Mutter sehnt! – Mir und meinem lieben Gemahl aber gib die Gnade, diesen Verlust zu ertragen! Obwohl zunächst Unvorsichtigkeit und Bosheit der Menschen uns den kleinen Engel geraubt haben, so ließest doch du es zu. Du fügtest es so; dir will ich mein Kind mit vertrauendem, wiewohl blutendem Herzen zum Opfer bringen. Ich weiß es gewiß, auch dieser Schmerz wird mir unter deiner Leitung einmal zum Heile sein."So tröstete sich die trauernde Mutter.

Margareta aber war ohne allen Trost. Sie fiel der Gräfin zu Füßen, und bat sie um Verzeihung. ,,Ach,"sagte sie, die Hände ringend, ,,wenn ich das Kind mit meinem Blute aus den Händen der Räuber befreien könnte, ich wollte gern den letzten Tropfen vergießen. Lasset mich hinrichten; ich will gerne sterben."Die Gräfin verzieh ihr. ,,Deine aufrichtige Reue verdient Vergebung,"sprach sie, ,,es soll dir kein Leid geschehen. Du siehst aber, wie gut ich's meinte, wie weise mein Befehl war; du hast nun erfahren, was Ungehorsam, Leichtsinn, Hang zu Lustbarkeiten für großes Unglück anrichten können. Unser aller Freuden auf dieser Welt sind nun für immer dahin, wie die Rosen hier, die welk und entblättert auf dem Boden umherliegen.«

Nachdem, die Gräfin dich von dem ersten Schrecken erholt und vernommen hatte, das Kind sei erst vor ein paar Stunden geraubt worden, so schickte sie sogleich eine Menge Leute aus, es aufzusuchen. Ein Bote nach dem andern kam wieder zurück. Margareta lief jedem entgegen, und weinte immer aufs neue, sobald sie schon von weitem seine trostlose Miene sah. Endlich kam auch der letzte, ohne die geringste Spur von dem Kinde entdeckt zu haben, und Margareta weinte sich fast die Augen aus. Nach und nach wurde sie zwar ruhiger; allein sie war immer sehr blaß und ging umher, wie ein Schatten. Jedermann hatte Mitleiden mit ihr. Auf einmal verschwand sie, und kein Mensch wußte, wo sie hingekommen war.



4. Kapitel:

"Die Räuberhöhle"

Eine Zigeunerin, ein altes, häßliches Weib, mit pechschwarzen Haaren und gelbbraunem Gesichte, hatte das Kind geraubt. Das Weib gab sich, leichtgläubige Menschen zu betrügen und zu bestehlen, mit Wahrsagen ab. Unter diesem Vorwande war sie schon früher einmal in das Schloß gekommen und hatte alle Gelegenheiten wohl ausgekundschaftet. Sie stand mit dem ältesten der drei Musikanten im Einverständnisse, und während dieser mit lärmender Musik alle Leute im Schlosse in die untere Stube lockte, war die Zigeunerin durch ein kleines Türlein in der Gartenmauer, das der Gärtnerjunge aus Unachtsamkeit offen gelassen hatte, in den Schloßgarten, und auf einer wenig besuchten Wendeltreppe in das Zimmer des Kindes geschlichen, hatte das Kind und was sie sonst in der Geschwindigkeit zusammenraffen konnte, genommen, und war damit durch den Garten schnell in den nahen Wald entflohen.

Dort verbarg sie sich mit dem Kinde in ein Dickicht, bis es völlig Nacht war. In der finstern Nacht machte sie sich auf, und trug das Kind weiter. Sie ging auf lauter abgelegenen, heimlichen Wegen. Mit Lebensmitteln hatte sie sich hinreichen versehen. Den Tag über versteckte sie sich wieder in dichtes Gesträuch, oder in das Korn. So wanderte sie viele Meilen weit fort, bis ins Gebirg. Hier befand sich, tief unter der Erde, eine schauerliche Höhle, die ein Teil eines eingegangenen, halbverschütteten Bergwerks war. Der Eingang dazu war von Felsentrümmern und verwachsenen Dornen so gut versteckt, daß ihn nicht leicht ein Mensch finden konnte. Nachdem die Zigeunerin lange durch Gestein, Dorngesträuch und Brombeerstauden gekrochen war, kam sie an eine eiserne Türe, zu der sie den Schlüssel hatte. Sie öffnete die Türe und kam durch einen langen Gang, der fast eine Stunde währte, endlich in die Höhle.

Diese Höhle war der AufenTalt von Räubern. Hier verbargen sie sich, um vor der strafenden Gerechtigkeit sicher zu sein. Hier verwahrten sie in großen schweren Kisten ihre geraubten Schätze – eine Menge prächtiger Kleider und kostbarer Geräte, Gold und Silber, Edelsteine und Perlen. Die Räuber, furchtbare Männer, mit trotzigen Gesichtern und rauhen Bärten, saßen, als die Zigeunerin mit dem Kinde ankam, eben beisammen, tranken, rauchten Tabak und spielten mit Karten. Sie hatten eine große Freude, als sie vernahmen, dieses Kind sei der junge Graf Heinrich von Eichenfels, und sie überhäuften die Zigeunerin mit Lobsprüchen über den gelungenen Raub. Ein solches Kind vornehmer Eltern in ihre Gewalt zu bekommen, hatten sie schon lange gewünscht. ,,Du hast dich trefflich gehalten, alte Großmutter!"sagte der Räuberhauptmann. ,,Nun sind wir vollkommen sicher. Wird einmal einer von uns gefangen, und will man ihm ein Leid thun, so droht er nur, daß wir übrigen dann dieses Kind, gemäß unserer Abrede, schrecklich zu Tode martern würden. Da wird man seiner gewiß schonen, oder ihn vielleicht gar gehen lassen."Der Hauptmann befahl hierauf der Zigeunerin, die den Räubern kochte und die Hauswirtschaft führte, wohl für das Kind zu sorgen, damit es doch gewiß am Leben bleibe.

In dieser schauerlichen Höhle kam nun das holde Knäblein zur Vernunft und lernte reden. Die Erinnerungen aus seiner ersten Kindheit erloschen. Es wußte nichts mehr von der Sonne, dem Monde, der ganzen schönen Erde Gottes. Kein Strahl des Tages fiel je in diese Wohnung des Schreckens. Nur eine Lampe, die Tag und Nacht brannte, hing von dem dunklen, rußigen Gewölbe der Höhle herab, und erhellte mit ihrem trüben, roten Schimmer die rauhen Felsenwände. An Lebensmitteln war kein Mangel. Die Räuber brachten Brot, Fleisch, Gemüse und besondern solche Speisen, die sich leicht aufbewahren ließen, und auch Wein im Überflusse. Ein großes Faß mit Wasser in einer Ecke der Höhle, das sie von Zeit zu Zeit frisch auffüllten, vertrat in dieser unterirdischen Haushaltung die Stelle des Brunnens. Da sie das Wasser aber weit holen mußten, so ging die Zigeunerin sehr sparsam damit um, und schärfte es dem Kleinen sehr ein, den Hahn immer wohl zu schließen. Eine Streu von Binsen, die jedoch mit prächtigen Teppichen bedeckt war, diente den Räubern zum Nachtlager.

Die Zigeunerin ließ dem Kleinen nichts abgehen. Sie gab ihm reichlich zu essen; allein sie unterrichtete ihn gar nicht im Guten. Das Kind lernte weder lesen noch schreiben, und hörte aus dem Munde dieser bösen Menschen nie ein Wort von Gott. Nur einer unter den Räubern, Namens Wilhelm, ein Jüngling und der Sohn ehrlicher Eltern, den aber die Lust zum Spielen zu dieser schrecklichen Lebensart verleitet hatte, unterhielt sich gern mit dem Kleinen. Auch brachte er ihm, so oft er heimkam, etwas mit, ihm einen kleinen Zeitvertreib zu machen. Er schenkte ihm allerlei von Holz ausgeschnitzte, schönbemalte Figuren, die Abbildung einer Schäferei mit vielen Schafen, nebst Schäfer und Schafhund, eines Gartens mit allerlei Bäumen, an denen gelbe und rote Früchte hingen, einen kleinen Spiegel und andere dergleichen Spielwerke für Kinder. Einmal kaufte er ihm eine kleine Fl&öuml;te und lehrte ihn ein Liedchen darauf spielen; ein anderes Mal brachte er ihm einen Bund gemalter Blumen und lehrte ihn, selbst Blumen aus Papier auszuschneiden, sie zusammenfügen und mit allerlei Farben bemalen. Der Kleine beschäftigte sich auf diese Art manche Stunde. Das liebste aber aus allen seinen Spielsachen war dem Kinde ein kleines Bildnis seiner Mutter, das die Zigeunerin in dem Schlosse entwendet hatte. Es war unvergleichlich schön und lieblich gemalt, in Gold und Kristall gefaßt, und ringsum mit Diamanten besetzt. Die Zigeunerin ließ es ihm aber nur hie und da auf eine kurze Zeit, wenn sie besonders guter Laune war.

Wilhelm betrachtete das Bild öfter, gedachte seiner eigenen Mutter und wischte sich eine heimliche Träne aus dem Auge. ,,Armes Kind,"sagte er bei sich selbst, ,,es war doch grausam, dich einer solchen Mutter vom Herzen hinweg zu reißen. Wie ganz anders würdest du es bei ihr gehabt haben, als hier, in diesem schauerlichen Aufenthalte! – Und deine gute Mutter, wie wird sie um dich weinen! Könnte ich dich in ihre Arme zurückbringen, wie gern würde ich es thun! Aber ich selbst bin wie ein Gefangener! Hundert Male wäre ich schon entlaufen, wenn meine vorgeblichen Freunde mir getraut und mich nicht immer so sorgfältig bewacht hätten!«

Er führte mit dem Knaben allerlei Gespräche, erzählte ihm mancherlei, das dem Kleinen Freude machte, und seinen Verstand weckte; allein von Gott und Ewigkeit durfte er nicht mit ihm reden; das hätten die übrigen Räuber nicht gelitten, weil sie sich vor allem scheuten, was ihr Gewissen aufwecken konnte.



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