Ostersprüche

   Ostergedichte
   Schriftsprache

   Ostergedichte
   Mundart

   Ostergrüße
 

   Ostergeschichten I

   Oster-Geschichten II

   Ostergrusskarten

   Die
   Ostergeschichte
   ( Ev. Johannis 20. 21. )
 

   Linkpartner






Osterhasengeschichten







Der Osterhase


Es war Samstag vor Ostern, und die Hasen hatten unglaublich viel zu tun. Besonders die eine Familie, die hinter den drei Tannen am Glasbrunnen wohnte, wusste sich fast nicht zu helfen vor Arbeit. Es war ein Witwe mit neun Kindern; der Vater war leider im vorherigen Herbst bei einer Jagd erschossen worden.
Nun, eben die waren bekannt dafür, dass sie die aller schönsten Eier brachten an Ostern und die größten. Darum kamen auch so viele Mütter, die die Eier alle bei ihnen bestellen wollten. Gerade gestern noch war die Frau Bürgermeister dagewesen und hatte vier Dutzend Eier haben wollen. Die Hasenmutter hatte versprochen, dass sie am Ostermorgen Punkt sieben Uhr in all den kleinen Nestlein liegen würden, die vor den Schlafstuben warteten; aber auch keine Minute früher; sie hätten zu viel Arbeit.
„Und nun spute dich, Graumäuschen“, sagte die Häsin und bürstete einem hübschen, grauen Jungen den Pelz und hing ihm einen Korb an den Arm; „lauf zum Hühnchen und sag ihm, dass ich noch vier Dutzend Eier haben müsse bis heute Abend. Bring auch gleich mit, was es fertig hat.“
„Ja Mutter“, sagte das gehorsame Häschen und sprang in hohen Sätzen davon.
Es kam zum Hühnchen. „Mutter lässt dir sagen, sie müsse für heute Abend noch vier Dutzend Eier haben.“
„Was, vier Dutzend“, gackerte das Hühnchen; „was denkt deine Mutter! Aber ich will in der Nachbarschaft herumlaufen und fragen, wer noch nicht gelegt habe und mich der Eier versichern. Um vier Uhr komme ich und bringe sie. Ah, was sind wir armen Tiere doch gehetzt um die Osterzeit. Ihr habt gewiss auch viel zu färben?“ Es hörte aber nicht hin, was das graue Häschen antwortete und packte ihm zwei Dutzend in sein Körbchen.
„Und jetzt lauf und zerbrich mir keines, und sage der Mutter, wir wollen am Ostermontag abrechnen.“ Das Häschen ging, und das Hühnchen setzte sich eilig auf sein Nest und begann zu legen.
Als das kleine Häschen zu seiner Mutter zurückkam, waren sie und alle Geschwister in voller Tätigkeit. Sechs Kesselchen hingen über sechs Feuern, und an jedem stand ein Häschen und färbte Eier. Eines machte die Eier rot, eines blau, eines violett und eines rostfarben. Zwei sprangen hin und her und brachten hinzu, was nötig war. Die Mutter aber hatte einen großen Kessel ganz für sich allein. Sie machte die berühmten bunten Eier.
Am Tage zuvor hatten sie alle kleine, feine Gräschen um die Eier gebunden, sie in große Blätter eingewickelt, und nun kochte sie sie in Zwiebelwasser. Das wurde aber hübsch. Alle Kinder wollten immer solche Eier haben, auf denen Veilchen oder Moose oder Farrenkräuter waren, und die Hasenmutter konnte gar nicht genug davon machen.
Das graue Häschen richtete seinen Auftrag aus.
„Was, schon am Ostermontag will das geizige Ding abrechnen? Da wird nichts daraus; da gehen wir alle miteinander spazieren und machen der Patin einen Besuch wie alle Jahre. Wer darf eigentlich dieses Jahr der Osterhase sein? Wer hatte das beste Zeugnis?“
„Ich“, rief ein feines Stimmchen, und ein reizendes, weißes Häschen mit roten Augen und einem seidenweichen Pelz hob das Pfötchen in die Höhe.
„So, du Schneeweißchen“, sagte die Häsin, „so hole mir dein Zeugnis“. Das Häschen brachte ein Lindenblatt, in das der Hasenlehrer mit einer Tannennadel die Noten gekratzt hatte: Springen gut, Hüpfen gut, Sitzen gut, und so ging es weiter durch das ganze Zeugnis.
„Ja, das ist brav“, lobte die Mutter; „du sollst Osterhase sein“. Sie band ihm an einem feinen Schnürlein ein goldenes O um den Hals; das bedeutet Osterhase. Wenn ein Hase diesen Buchstaben um den Hals trägt, so darf ihn kein Jäger schießen; das ist streng verboten. Das weiße Häschen freute sich so, dass es Purzelbäume machte und zehnmal hoch durch die Luft hüpfte. Aber da riefen die anderen: „Deine Farbe läuft über“, und es musste wieder an sein Kesselchen stehen und kochen.
Spät am Abend erst waren alle Eier fertig und der große Tragkorb gefüllt, den das Häschen mitnehmen sollte, und früh um fünf Uhr machte es sich auf den Weg. Die Mutter band ihm den Korb noch selber fest und ermahnte das Junge, doch ja recht acht zu geben. Es versprach es und lief den Berg hinunter.
„Leb wohl, Osterhäschen, leb wohl, Osterhäschen“, riefen seine Geschwister und winken mit den Pfötchen.
Das Häschen lief durch das grüne Gras, und sein weißes Pelzlein schimmerte durch die Halme. Das goldene O glänzte von weitem, und wer ihm begegnete, sagte: Guten Tag, Osterhase! Es kamen Eichhörnchen und Vögel und Maulwürfe, und sie alle grüßten höflich. Sogar des Eichelbauern böser Kater wünschte frohe Ostern. Das Häschen lief und freute sich über den schönen Himmel und den Ostermorgen.
Da hörte es Hundegebell. Es erschrak; aber dann dachte es daran, dass ihm kein Hund und kein Jäger etwas zu leid tun durfte, weil es ja ein Osterhase sei. Es setzte sich zierlich ins Gras und drehte an seinem Schnurrbärtchen. Das Bellen kam immer näher, und plötzlich schnaufte und stampfte es ganz nahe beim Hasen, und zwischen den Halmen kamen der braune Kopf und die lang heraushängende Zunge eines Jagdhundes zum Vorschein.
Als der Hund aber das weiße Häschen im Gras sitzen sah, mit dem Korb voll Eier auf dem Rücken und dem goldenen O um den Hals, da machte er einen Kratzfuß und sagte:“Nichts für ungut, Osterhase; ich wünsche gute Verrichtung.“
Das kleine Häschen atmete erleichtert auf, als er fort war und lief rasch den Berg hinunter. Da lag aber ein großer Stein im Wege, den es nicht sah und – bautz, lag das Häschen im Gras, die Eier kollerten den Berg hinunter. Einige blieben gleich liegen; andere rollten weiter; ein paar liefen bis zum nächsten Apfelbaum, und eines sprang sogar hinunter zur Landstraße. Dort machte es patsch und blieb liegen.
Da hockte nun unser armes Häschen und fuhr ich mit der Pfote über seine schwarze Nase. Aber das half nun nichts; viele von den Eiern hatten Sprünge, und drei waren ganz in Stücke.
„Was mache ich nun?“dachte es; ich gehe zum Schneider, der soll sie mir flicken.“ Es ging zum Schneider. Er streckte den Kopf oben zum Fenster hinaus und hatte noch die Schlafmütze auf dem Kopf; denn es war sehr früh. „Was willst du?“ rief er hinunter mit ganz schläfriger Stimme.
„Ich bin der Osterhase, und ein paar von meinen Eiern sind zerbrochen. Willst du nicht so gut sein und sie flicken?“
„Freilich sagte der Schneider; „warte nur, bis ich angezogen bin.“
Als er fertig war, machte er dem Hasen die Türe auf und fing gleich an, die Eier zu flicken. Bei den roten Eiern nahm er rote Seide und bei den blauen Eiern blaue und so fort. Er flickte sie alle und machte zierliche Stiche. Aber man sah es eben doch. Als er damit fertig war, schenkte das Häschen dem Schneider ein paar Eier und ging weiter.
„Was tue ich nun?“ dachte es betrübt; “geflickt sind die Eier nun, aber man sieht die Stiche. Ich will zum Buchbinder gehen; der soll mir goldene Sternlein darüber kleben. Er ging zum Buchbinder, und er klebte ihm goldene Sternlein über die Stiche, manchmal kleine, manchmal große, wie es gerade passte. Und nun sahen die Eier wunderschön aus, besonders die blauen, gerade wie der Sternenhimmel. Das Häschen bedankte sich vielmals und schenkte dem Buchbinder ein paar seiner Eier.
Dann ging es in alle die Häuser, wo Nestlein vor der Tür standen und legte in jedes Nest sechs Eier und zu den Sechsen allemal eins mit Sternen drauf.
Als nun die Kinder dieses sahen, jubelten sie laut und sagten, so schöne Eier hätten sie noch nie gehabt und baten ihre Mütter, sie möchte doch ja nächstes Jahr ebensolche bestellen. Das taten die Mütter auch. Wenn sie aber zu der Häsin kamen und sagten, sie möchten von den Eiern mit den goldenen Sternen, dann schüttelte sie ganz verwundert den Kopf, so dass ihre Ohren flogen.
„Schneeweißchen, was ist das mit den goldenen Sternen?“ frug sie das Junge, welches Osterhase gewesen. Aber das strich sich mit der Pfote über das Näschen, sagte nichts und sprang davon.

(Lisa Wenger-Ruutz)



Weiter geht's unten zur nächsten Ostergeschichte





Seite: Seite 1 -Ostergeschichten   Seite 2 -Ostereiergeschichte   Seite 3 - Ostermärchen   Seite 4 - Ostererzählung  Seite 5 - Geschichten zu Ostern  Seite 5 - Märchen vom Osterhasen  Seite 5 -Schöne Ostergeschichten

Impressum
Startseite



Ostergeschichten - Geschichte vom Osterhasen, Ostergeschichte, Osterhase



Copyright © 2014, Carmen Jakel